Wie könnt ich dein vergessen
Wie könnt ich dein vergessen? Dieses schlaraffische Lied erklingt stets zum Abschied von einem Schlaraffenbruder. Gespielt von Roland Schmiedel, dem Schlaraffen Don Rolando am Keyboard und Tommi Wendt vom Stadttheater Gießen auf der Violine. Die Beiden werden uns zusammen mit Klaus-Peter Schneider, den Junker Klaus-Peter, durch diese Abschiedsveranstaltung begleiten.
Liebe Eva,
liebe Angehörige,
verehrte Trauerversammlung
Schlaraffen und Burgfrauen, hört!
Wir sind heute zusammengekommen., um Klaus Schubert zu Grabe zu tragen in einer nach seinem Wunsch gestalteten Abschiedsfeier..
Klaus gehörte seit über 30 Jahren der Schlaraffia an. Die Schlaraffia ist ein Freundesbunds, der Freundschaft, Kunst und Humor auf seine Fahnen geschrieben hat und der diese Prinzipien in der Form eines heiteren Ritterspiels in seinen Burgen, wie wir unsere Vereinsheime nennen, zelebriert. In diesem Spiel verdecken wir unsere profanen Identitäten hinter einer Verkleidung in Form eines Mantels, einer Schärpe (wie die anwesenden Schlaraffen sie heute tragen), einem Helm und einem selbstgewählten eigenen Ritternamen.. Dazu verwenden wir Begriffe, die auch heute gelegentlich durchschimmern werden.
Wir sind kein Geheimbund, zeigen uns aber nicht öffentlich und leben bei unseren wöchentlichen Begegnungen in einer eigenen Welt, die von Musik und Poesie geprägt ist.
In dieser Welt hat sich Klaus Schubert; der sich in unserem Kreis Ritter RoadKing zu Ross nannte, wohlgefühlt und hier immer mehr seine geistige Heimat gesehen. Nicht nur in seinem Heimatreych Gießen, oder Zu den Gyssen, wie wir es nennen, sondern insbesondere auch in der Hohen Schule in Herborn, der Drachenburg in Eisenach, der Chattenfest in Homberg, der Gleichenburg in Arnstadt und dem Stammtisch in Eisenach. Die Schlaraffenreyche Marpurgia, wie sich die Marburger nennen und Ob der Dill, was profan Herborn bedeutet, haben ihn zu einem der ihren erklärt haben und zu ihren Ehrenrittern gemacht, ihn also als einen der ihrigen angenommen. Ehrenritter tragen in den verleihenden Reyche deren Helm. Die beiden Ehrenhelme der Marpurgia und Ob der Dill liegen neben dem Ritterhelm der Gyssen dort auf dem Tisch. Das war Rt RoadKings ausdrücklicher Wunsch.
Klaus, unser Rt RoadKing, nahm seine Krankheit und seinen bevorstehenden Tod an. Er verabschiedete sich in den Wochen, die ihm blieben, von seinen Freunden mit einer Haltung und einer Würde, die mich tief berührt hat.
Hinter einer solchen Haltung muss es jemanden geben, der sie möglich macht. Wir dürfen nicht vergessen, dass seine Ehefrau oder auch schlaraffisch Burgfrau Eva, durch ihre aufopferungsvolle Pflege zu Hause ihm diese Möglichkeit und diesen guten Tod geschenkt hat. In dem tiefen Tal, dass die beide zusammen durchschritten haben, steht nun das heutige Begräbnis als letzte hohe Hürde, die zu nehmen Eva nicht leichtfiel und fällt. Aber sie hat tapfer gesagt: Klaus wollte das und dann machen wir das so.
Klaus hat sich ein schlaraffisches Begräbnis gewünscht. Er schrieb dafür ein, wie er es nannte, kleines Drehbuch, und legte dort den Ablauf der Veranstaltung, die Redner und die Musikstücke fest und auch die Form der Beisetzung in seinem Urnengrab.
Nun ist die Schlaraffia keine religiöse Institution, sondern eine Freundesbund. Wir gedenken unserer toten Freunde alljährlich in einer besonderen Feier und verwahren ihre Bilder in einem Gedenkschrein. Wir besuchen die Gräber unserer verstorbenen Freunde jährlich im November, und wenn im Winter ein Gesteck mit einer blau-gelben Schleife auf Klaus Grab liegt, haben ihm die Schlaraffenbrüder ihren Besuch abgestattet.
Wir kennen aber kein schlaraffisches Begräbnis und haben keine Riten und Gebräuche dafür. Mit dieser Feier betreten wir ein uns unbekanntes Feld. Wir wollen aber diesen letzten Wunsch unseres Freundes Klaus erfüllen und ihm einen würdigen Abschied bereiten.
Auch eine solche Veranstaltung muss einen Dirigenten haben und so werde ich diese Aufgabe übernehmen. Wir übernehmen die Funktion, wie wir bei Schlaraffia sagen würden.
Die Trauerfeier wird wie folgt ablaufen:
„Walz No. 2“ von Dimitri Schostakowitsch
Wir hören Ansprachen von:
1.Cornelius Heinrich Klein, dem Rt Candrac aus der Marpurgia, den Klaus zum Hauptredner der Veranstaltung bestimmt hat mit vielen Wünschen für seine Ansprache,
2. Joachim Bottenhorf, dem Rt Magistraticus von der Hohenburg,
3. Volker Roeber, dem Rt. Un-bequem von den Drei Gleichen.
Nach den Ansprachen erklingt zum Abschluss der Trauerfeier
„Die Forelle“ von Franz Schubert
Nach dem letzten Musikbeitrag begeben wir uns zur Grabstätte und übergeben die Urne von Klaus der Erde. Es wird keine Ansprache am Grab geben.
Nach dem die Urne in das Grab versenkt erklingen
Das Schlaraffen Gut Heimritt-Lied
und der Schlaraffenschwur.
Während der Klänge der Trompete mit dem Abschiedslied fassen sich die Schlaraffenbrüder (und alle, die sich dem anschließen wollen) an den Händen und bilden den Bruderkreis. Wer möchte, singt die Lieder mit.
Nach dem Ende der Musik mag sich jeder so von Klaus verabschieden, wie es ihm angemessen und richtig erscheint. Meine Schlaraffenbrüder bitte ich, sich nach zum Abschluss zum Grab hin kurz zu verbeugen. Wir gehen dann wir schweigen auseinander.
Nach der Trauerfeier lädt unsere Burgfrau Eva Becker in das Restaurant „Fasanerie“ zu Kaffee und einem Imbiss ein.
Der letzte Satz in dem kleinen Drehbuch von Klaus war für ihn sehr wichtig und wir sollten ihn beherzigen. Er lautete:
Seid wieder fröhlich!

