Zwar ruht der Ahnherr tief in seiner Klause,
Doch ist er da fürwahr nicht fern der Welt.
Denn er hört viel von eurer Zeit Gebrause
Und wo es trennt, und wo’s zusammenhält.
Ein Uhu sitzt im Baum, dicht an der Feste,
Die aus der Ebene zum Himmel strebt,
In meiner Klause Nähe, in dem Neste,
Wo er die ganze Wintrung über lebt.
Er fliegt von dort zu Burgen, nah‘n und fernen,
Wo das Schlaraffenvölkchen strebt zu Sternen.
Von ihm erfahr ich stets, was in den Jahren
Geschieht und ist bei diesen Ritterschaaren.
So grüß‘ ich euch, die ihr in Gleibergs Mauern
Zerstreuung sucht, von euren Sorgen viel,
Ihr Herrn und Ritter, die seit langem dauern
In einem schönen, alten Rollenspiel.
Habt dort, ihr wisst, ein Paradeis auf Erden
Die Profanei bleibt allzeit draußen noch.
Es ist nicht Raum für Plagen und Beschwerden,
Ihr habt sehr viel, um glückelich zu werden -
Und lasst die Ohren aber hängen doch.
Ihr seht, dass ihr die Jugend nicht mehr lockt,
Da sie nur in sozialen Medien hockt
Und nicht mehr lernt dass man in eurem Kreise
Das Sein umfasst in ganz besonder Weise.
In euren Burgen ruht ein großer Schatz,
Verborgen vor der Welt und vor der Menge,
Die um profans Vergnügen und in Hatz
Eilt zu des Jahrmarkts lärmenden Gedränge.
Das was ihr habt, es blüht mehr im Verborgen.
Es macht dem Wissenden die Schritte leicht,
Es lindert Einsamsein und Altersorgen
Und hilft, dass all profane Last entweicht.
Dem Eiland gleich, das wie im Nebelmeere,
Liegt fern und unsichtbar für einen Jeden.
Der Wissende nur kann die Barriere
Zur Seite tun, und mit ihr alle Schwere,
Und darf auf dieses Eilands Boden treten.
Nur nimmt die Zahl der Wissenden halt ab
Und euer Personal wird dadurch knapp.
So müsst ihr eben in die Lande ziehn
Und euch um neues, junges Volk bemühn.
Ich weiß aus eigener Erfahrung,
Das dauert immer manche Jahrung.
War meine Truppe dezimiert,
Weil ich sie ins Gefecht geführt,
Galt es, mit Werbung zu bestechen,
Ein Himmelreich fest zu versprechen.
Mit bunten Bildern fröhlich gaukeln,
Die jungen Burschen zu verschaukeln,
Bis diese endlich Einsehn fanden
Und sich an meinen Haufen banden.
Die Gretchenfrage, einst wie heute
Ist, wie bekommt man neue Leute?
Mit welchem Köder lockt man an
Und was verspricht man ihnen dann?
Es stellt sich, drängend wie noch nie,
Die Mutter aller Frage. WIE?
Ich hab‘ einst‘ ES Faust dazu befragt,
Er hat mir – schriftlich - folgendes gesagt:
So zeigt doch nur der Welt die schöne Blüte
In eurem Spiel und lauscht der Offenbarung,
Dann sauget jedes zärtliche Gemüte
Aus eurem Werk sich melanchol'sche Nahrung,
Und ins bekannte Ritterspiel
Mit Mut und Anmut einzugreifen,
Nach einem selbstgesteckten Ziel
In buntem Spielen hinzuschweifen,
Das, alte Herrn, ist eure Pflicht!
Und wir verehren euch darum nicht minder.
Das Alter macht nicht kindisch, wie man spricht,
Es findet uns nur noch als wahre Kinder.
Der Schluss daraus, liegt da nicht fern:
Das Spielen also ist des Uhus Kern!
Im Spiel die Welt vergessen machen,
Ein Spiel mit Weinen und mit Lachen.
Mit güldnem Ball dahin zu schweifen,
Den Augenblick beherzt zu greifen,
Da alles leicht und bunt und toll,
Im Augenblick, der nie vergehen soll.
Ihr habt den Schatz, ihn müsst ihr nur noch heben!
Ja, geht hinein ins volle Ritterleben
Lebt es, ‘s wird vielen dann bekannt,
Schaut einer zu, wird es ihm interessant.
Macht Bilder bunt, aus Träumen Wahrheit,
Gebt euren Fantasien Klarheit.
Macht Feuer, das in Seelen brennt,
Mit dem ihr Werbung machen könnt‘.
Ja, sendet auf Kanälen allen,
Auch, wenn euch manche nicht gefallen:
YouTube, KI, was sonst dem gleicht,
Wo die Verbreitungsweite reicht.
(Ihr staunt? Der Ahnherr zeigt ein Wissen,
Das andre noch erwerben müssen.
Er spricht halt mit Uhu sehr gerne
Und der erklärt ihm die Moderne!)
Wem nutzt‘s, wenn euch der Ahnherr hold?
Die Welt ist’s, die euch kennen sollt!
Geht hin und sucht euch dort Adepte,
Entwickelt sinnvolle Rezepte.
Sprecht von der Herrlichkeiten vielen,
Erzählt von den Schlaraffenspielen.
Betört, wie mit Schalmeienklängen,
Als ob bei euch die Englein sängen.
Bald werden dann Bewerberhaufen
Schlaraffias Burgen überlaufen.
Ihr müsst dann gar Bewerber testen
Und nehmt von Guten nurdie Besten.
Wer dann nicht kommt, wer’s nicht erleben mag,
Der bleibt profaner Narr vor bis hin zum letzten Tag.
Ich weiß, der Ahnherr träumt gern mal -
Er hat ja Zeit – vom Ideal.
Ja, ohne Träume groß und viel
Erreicht man nie ein neues Ziel.
Blüht nicht des Optimismus Saat,
Wird aus dem Traum auch nie die Tat.
Der Worte sind genug gewechselt,
Lasst uns denn endlich Taten sehn.
Indes ihr nun Konzepte drechselt,
Will ich zurück zum Schlafe gehen.
Komm übers Jahr ich wieder her,
Seid ihr, so wie ich hoffe, mehr.
Ans Werk, ihr Herren von der Lahn!
Es grüßt euch
euer Gleiberg-Ahn.

